
Sexualität nach individuellen Bedürfnissen gestalten
In unseren Angeboten vermitteln wir unseren Teilnehmenden Fachwissen, fördern Handlungs- und Kommunikationskompetenz und machen auf Beratungs- sowie Unterstützungsangebote aufmerksam. Darüber hinaus ermöglichen wir die Auseinandersetzung mit Normen und Werten, damit unsere Teilnehmenden eine eigene Haltung entwickeln können. Mit dieser Kombination erreichen wir folgende Ziele:
Die Entwicklung einer selbstbestimmten Sexualität bedeutet für uns, dass junge Menschen Sexualität nach ihren individuellen Bedürfnissen und Definitionen gestalten können. Das schließt das Kennenlernen und Formulieren der eigenen Grenzen mit ein.
Für junge Menschen ist die Phase des Entdeckens der eigenen Bedürfnisse und Grenzen, des eigenen Körpers, der eigenen Sexualität und Identität sehr wichtig. Wir wollen, dass unsere Teilnehmenden eine Sprachfähigkeit entwickeln. Das kann sowohl verbale als auch nonverbale Kommunikation sein.
Wir wollen unsere Teilnehmenden ermutigen, sich auszuprobieren – was passt zu mir, meinem Begehren, meiner Körperwahrnehmung, zu meiner Sexualität, meiner sexuellen Orientierung und was passt überhaupt nicht zu mir?
Als Fachkräfte bestärken wir unsere Teilnehmenden darin, dass ihre Vorstellungen voneinander abweichen dürfen und es keinen vorgeschriebenen Fahrplan gibt, wie Körper, Sexualität, Liebe, Beziehung und Elternschaft auszusehen haben.
Sexualität kann lustvoll sein, Spaß machen und befreiend sein. Gleichzeitig ist Sex mit Risiken verbunden. Zum Beispiel mit dem Risiko, ungeplant Eltern zu werden oder sich mit einer STI zu infizieren.
Ein Ziel unserer Angebote ist es, junge Menschen dabei zu unterstützen, dass sie für sich und ihre Partner*innen Verantwortung in Sexualität und Beziehung übernehmen. Wie zum Beispiel die Einigung über ein Verhütungsmittel oder dem Schutz vor HIV/STI. Hierfür besprechen wir verschiedene Verhütungsmethoden und beantworten damit verbundene Fragen und klären Unsicherheiten.
Beispielfragen für Kasten im Layout: Wo bekomme ich Verhütungsmittel her? Was mache ich, wenn mein*e Partner*in anders verhüten möchte als ich? Kann ich einfach zu jede*r Ärzt*in gehen? Was ist, wenn mein*e Ärzt*in mich nicht behandeln möchte?
Durch unsere verschiedenen Angebote und Methoden wird den Teilnehmenden ein Raum ermöglicht, sich mit Normen und Werten in Bezug auf unsere Kernthemen auseinanderzusetzen. Wir diskutieren gemeinsam, warum manche Dinge als „normal“ wahrgenommen werden, wo das herkommt und wie unsere Teilnehmenden selbst dazu stehen.
Um das zu ermöglichen, ist es wichtig, einen Raum zu schaffen, in dem die Teilnehmenden keinen Bewertungsdruck erleben und keine Angst haben, etwas „Falsches“ oder „Schlimmes“ zu sagen. Es soll also eine Atmosphäre hergestellt werden, in der ausgesprochen werden darf, was im Alltag tabuisiert wird. Ein wertschätzender Umgang auf Augenhöhe mit unseren Teilnehmenden ist hierfür zentral.
Wir begleiten diesen Prozess durch die Bereitstellung von Wissen und Erfahrungswerten und ermöglichen den Teilnehmenden somit, den Blick auf die eigenen Werte und Normen zu erweitern.
Wir wollen unsere Teilnehmenden in ihrer Selbstbestimmung und in ihrem Selbstbewusstsein durch den Austausch mit anderen jungen Menschen stärken. Das Angebot, sich in kleineren Gruppen wie zum Beispiel Mädchen*, Jungen* oder selbstgewählten Gruppen auszutauschen, bietet unseren Teilnehmenden die Möglichkeit, sich mit Peers in einem geschützteren Raum über die eigenen Vorstellungen von Sexualität, Liebe und Beziehung auszutauschen und so miteinander zu wachsen und sich gegenseitig zu stärken. Wir begleiten diesen Prozess mit der Bereitstellung von Begriffen, Bildern, Fachwissen oder durch Vorbilder und eigenen Erzählungen.
Wir wollen hier auch verdeutlichen, dass geschlechtliche Identität vielfältig gelebt werden kann, und dass Mädchen* oder Junge* sein selbstbestimmt gelebt und nicht von außen definiert wird. Außerdem soll es auf die unterschiedlichen Lebensrealitäten von Mädchen* und Jungen* auch jenseits von Geschlecht hinweisen. Die Annahme, dass es nur zwei Geschlechter gibt (ob biologisch oder sozial) halten wir für falsch. Aus diesem Grund ist es uns wichtig, möglichst vielfältige Angebote zur Gruppenaufteilung zu bieten.
Soziale Medien und das Nutzen des Internets sind ein wichtiger Bestandteil des Alltags und somit auch der Lebensrealität von jungen Menschen. Das Thema Sexualität in den Medien wird von jungen Menschen häufig an uns herangetragen. Mit unseren Angeboten setzen wir uns gemeinsam mit den Teilnehmenden mit den Risiken und Möglichkeiten beim Umgang mit den verschiedenen Medien im Zusammenhang mit Sexualität altersgerecht und entsprechend der Zielgruppe auseinander.
Ein Beispiel ist der Umgang mit der eigenen Privatsphäre im Internet. Wir setzen uns damit auseinander, was in der Nutzung des Internets und Social Media in Bezug auf die Achtung der eigenen Privatsphäre und der anderer, zum Beispiel das Versenden von Fotos oder das Nutzen von Dating-Apps, zu beachten ist. Wir geben unseren Teilnehmenden Raum, über die Möglichkeiten des Internets zu sprechen, und vermitteln, dass es dort auch Grenzen und Grenzüberschreitungen gibt.
Ein weiteres Thema, das die Teilnehmenden häufig an uns herantragen, ist der Umgang mit dem Medium Pornografie. Denn in der Phase des Entdeckens der eigenen sexuellen Identität werden junge Menschen pornografischen Inhalten begegnen – mit oder ohne Absicht. Wenn das Thema Pornografie von den Teilnehmenden angesprochen wird, möchten wir Mythen entkräften und somit Unsicherheiten und Schamgefühle abbauen. Denn es ist ein Ziel unserer Arbeit, dass junge Menschen einen selbstverantwortlichen Umgang mit Pornografie entwickeln. Hier geht es zunächst um einen Austausch von Normen und Werten.
Wir thematisieren dabei persönliche und rechtliche Grenzen beim Konsum von Pornografie und blicken gemeinsam mit den Teilnehmenden kritisch auf die Darstellung von Sexualität und geschlechtlichen Rollenbildern, über eventuelle Gewaltdarstellungen, die Bewertungen davon und sprechen über alternative Seiten und Darstellungsweisen.
Mehr Wissen über HIV/STI und Safer Sex bedeutet mehr Handlungsmöglichkeiten zum Schutz. Mit unseren Angeboten möchten wir also einen Beitrag dazu leisten, dass junge Menschen die Risiken von HIV/STI-Infektionen sowie Möglichkeiten zum Schutz kennen und dementsprechend handlungsfähig werden.
Ähnlich wie bei dem Thema HIV/STI wollen wir zu Schwangerschaft und Elternschaft das Wissen um und verschiedene Handlungsmöglichkeiten zur Verhütung und Prävention von ungeplanter Schwangerschaft und Elternschaft vermitteln und aufzeigen. Dabei ist unser Ziel, dass junge Menschen über Verhütungsmethoden informiert werden und ihnen Hilfe und Unterstützungsmöglichkeiten im Falle von ungeplanten Schwangerschaften nennen, so dass sie dementsprechend handlungsfähig werden.
Wie bereits weiter oben beschrieben wurde, sind mit HIV/STI viele Stereotype und Stigmata verbunden. Auch über das Thema HIV/STI hinaus werden im Zusammenhang mit Sexualität, safer Sex und Verhütung, sexueller Vielfalt, Schwangerschaft und Elternschaft, Beziehung und Liebe viele Stereotype deutlich, die wir mit unseren Angeboten abbauen möchten.
Unser Ziel ist es, einen Raum zu schaffen, in dem Klischees, Stereotype und diskriminierende Bilder von Sexualität, sexueller Gesundheit, sexueller Vielfalt, Liebe und Beziehung in ihrer Verschränkung reflektiert und dadurch abgebaut werden. Das bedeutet einerseits, bestimmte Mythen und diskriminierende Bilder zu hinterfragen und sie andererseits neu zu denken.
Für uns bedeutet das Thematisieren von Sexualität auch das Thematisieren von Grenzen und möglichen Grenzverletzungen. Ziel unserer Angebote ist es, dass junge Menschen konsensuellen Sex von Grenzüberschreitungen und sexualisierter Gewalt unterscheiden können. Durch das Sensibilisieren für das Thema Grenzüberschreitungen wollen wir einen Beitrag dazu leisten, dass junge Menschen ein Verständnis von Grenzverletzungen entwickeln. Außerdem sollen sich unsere Teilnehmenden befähigt fühlen, Grenzen zu benennen und handlungsfähig zu werden, Nein zu sagen und ein Nein zu akzeptieren sowie Grenzen zu setzen und Grenzen zu akzeptieren.
Dazu thematisieren wir das Formulieren von eigenen Bedürfnissen oder besprechen beispielsweise Konzepte wie „Nur Ja heißt Ja“. Es bieten sich auch Übungen zu Nähe und Distanz an, in denen mit Entfernung und Abstand gelernt werden kann, wo die persönlichen Grenzen liegen.
Wir thematisieren sexualisierte Gewalt und sind für unsere Teilnehmenden zu diesem Thema ansprechbar. Allerdings sind wir keine Präventionsfachkräfte für sexualisierte Gewalt und nutzen daher unsere Verweisungskompetenz zu Beratungsstellen, die bei diesem Anliegen eine professionelle Unterstützung anbieten können.