
Herausforderungen wahrnehmen
Eine zukunftsorientierte Sexualpädagogik bedeutet für uns, aktuelle Herausforderungen wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Damit wir also auch in Zukunft einen Beitrag zu der Entwicklung einer selbstbestimmten Sexualität leisten können, wollen wir unser Netzwerk und unsere Arbeit kontinuierlich weiterentwickeln. Wir wollen dabei keine Fachkräfte in neuen Bereichen werden, sondern unsere bestehende Expertise ausbauen. Im Folgenden haben wir unsere Zukunftsvisionen von Youthwork NRW zusammengefasst.
Um unsere Haltungen und Botschaften auch außerhalb unserer Angebote verfügbar zu machen, ist es uns wichtig, noch mehr Materialien zu schaffen, die unsere verschiedenen Zielgruppen direkt adressieren. Das kann beispielsweise ein Heft oder Flyer zum Thema Penisgrößen, Hymen oder Kondome sein oder eine Kampagne zu einem dieser Themen in Form einer App, eines Spiels oder etwas ganz anderes.
Die Entwicklung der eigenen sexuellen Identität ist ein komplexer Prozess, der sich über das gesamte Lebensalter erstreckt. Deswegen wünschen wir uns, unsere Angebote so zu gestalten, dass sie mehr Zeit und Raum für die Anliegen der jungen Menschen bieten und Formen des Austausches über einen längeren Zeitraum möglich werden. Ein Beispiel hierfür wäre, Schulklassen von Klasse 6 bis zur Abschlussklasse kontinuierlich zu begleiten.
Zudem wollen wir mit den verschiedenen Institutionen, die mit jungen Menschen arbeiten, in den Austausch treten, wie sie die Entwicklung einer selbstbestimmten Sexualität junger Menschen in ihren Einrichtungen langfristig begleiten und unterstützen können.
Damit wir auch in Zukunft die Lebenswelt von jungen Menschen abbilden können, wollen wir ihre Perspektiven auf unsere Themen in unsere Konzepte aufnehmen und sie stärker in die Gestaltung unserer Angebote einbeziehen. Das bedeutet einerseits neue Felder zu betreten, und andererseits die gewohnten Formate und Inhalte weiterzuentwickeln.
Junge Mensch bringen unzählige eigene Geschichten und Erfahrungen zu den Themen sexuelle Gesundheit, Sexualität, Safer Sex, Schwangerschaft und Elternschaft, Safer Sex und Verhütung, sexuelle Vielfalt sowie Liebe und Beziehung mit.
Damit wir diesen Geschichten gerecht werden können, möchten wir uns weiterhin kritisch reflektieren und unser Netzwerk so ausrichten, dass sich alle jungen Menschen in unseren Angeboten wiederfinden und aufgehoben fühlen können.
Das heißt für uns sowohl diskriminierungssensibel auf Methoden, Konzepte, Materialien und unsere verwendete Sprache zu blicken, als auch verschiedene Diskriminierungsformen und Identitäten zusammen zu denken (intersektional) anstatt sie nebeneinander zu verorten.
Wir wünschen uns, dass wir bei der Thematisierung von eigenen Bedürfnissen und Grenzen zukünftig über das Üben von „Nein heißt Nein“ hinaus arbeiten und unser Know-How in diesem Bereich mehr ausbauen können.
Wir sind keine ausgebildeten Fachkräfte für sexualisierte Gewalt, wünschen uns aber, auch in Zukunft bei diesem Thema für unsere Teilnehmenden ansprechbar zu sein. Aus diesem Grund braucht es mehr Vernetzung mit Expert*innen zu den Themen sexualisierte Gewalt, Konsens und Grenzen, um unsere Konzepte hier auszubauen.
Wenn wir mit jungen Menschen über das Entdecken und Aushandeln eigener Grenzen sprechen, spielt auch das Thema Substanzkonsum eine Rolle. Alkoholkonsum und Erfahrungen mit illegalen Substanzen (wie z.B. Cannabis, MDMA, Ketamin) können das Wahrnehmen und Setzen eigener Grenzen sowie die individuelle Handlungsfähigkeit beeinflussen. Wir wünschen uns, dass unsere sexualpädagogischen Ansätze die Themen Sexualität und Rausch zukünftig stärker miteinander verbinden und eine größere Rolle in der fachlichen Weiterentwicklung innerhalb des Netzwerkes einnehmen.
Wir wünschen uns für die Zukunft ein großes sexualpädagogisches Netzwerk, das mit verschiedenen Kooperationspartner*innen aktuellen Herausforderung begegnet und gemeinsam Lösungen erarbeitet. Außerdem wünschen wir uns, dass wir als Netzwerk und mit Kooperationspartner*innen Wissen und Ressourcen miteinander teilen. Das kann in gemeinsamen Positionspapieren, Aktionen oder Kampagnen zum Ausdruck gebracht werden.
Wir verstehen uns als ein lernendes Netzwerk. Das bedeutet, dass wir unsere Konzepte, Methoden und Haltungen weiterentwickeln und sie kontinuierlich reflektieren. Aus diesem Grund wünschen wir uns, innerhalb der verschiedenen Kooperationen, Netzwerke und Angebote Feedback zu unserer Arbeit zu erhalten, um uns dadurch weiterentwickeln zu können.